Texte

Eine Sammlung verschiedener Texte.

Der erste stammt von Ilka Piepgras. Sie ist Redakteurin beim ZEIT-Magazin. 2008 schrieb sie einen Artikel über die Wiederbegegnung mit ihrer Jugendfreundin Charlotte Stapenhorst, die in den 90er Jahren orthodoxe Nonne wurde und heute als Gerondissa Diodora die Äbtissin des Klosters vom Hl. Georg in Thessalien ist, am Rande des Pindosgebirges, unweit von Karditsa.

Meine Freundin, die Nonne

2010 erschien bei Droemer auch das Buch „Meine Freundin, die Nonne“ von Ilka Piepgras, 2011 gab es der Verlag als Taschenbuch und als e-book heraus.


FESTVORTRAG VON PRIESTERMÖNCH DIONYSIOS


Vater Dionysios ist Archimandrit und Abt des Klosters Petras in Mittelgriechenland. Er ist wie für viele Menschen weltweit auch der Gerondas, also der geistliche Vater für die Gemeinschaft der Nonnen des Klosters des Hl. Georgs.
(Genaueres dazu am Ende des Artikels)

DAS GEBET DES HEILIGEN BERGES ALS MITGIFT DERER, DIE DEN HERRN SUCHEN

(Gehalten im Rahmen des Athosfestes  1981 in Wien und erschienen im Mitteilungsblatt der Gesellschaft der Athosfreunde,  im Januar 1982. Damals war Gerondas Dionysios Priestermönch im Kloster Simonos Petras am Heiligen Berg Athos)

Ein großer Redner und Kirchenschriftsteller des dritten Jahrhunderts¹wurde von seinem Zeitgenossen, dem damaligen Patriarchen Jerusalems, eingeladen, die Kanzel der heiligen Auferstehungskirche, die sich über dem Allerheiligsten Grabe befindet, während eines wichtigen Fests zu besteigen, um vor der Menge der Gläubigen eine belehrende, trostreiche Predigt zu halten. Aber trotz all seiner ungeheuren Gelehrsamkeit, seiner Redegewandtheit und der Ungezwungenheit, die ihm für solches Geschäft zu Gebote stehen, flehte er verzweifelt den Herrn an um Erleuchtung, was den Gehalt und die Gestalt seiner Rede betraf.

Dort, auf der Kanzel, hoch oben, schlug er die Bibel auf, um den Anfang daraus zu finden, und stieß auf den folgenden Satz:“ Zum Frevler aber spricht Gott: Wieso zählst Du meine Gebote auf, führst meinen Bund in deinem Munde?“.² Da verschlug es ihm vollends die Rede, und er brachte kein Wort mehr hervor. Von Furcht und Selbsterkenntnis gepeinigt, verließ er die Kanzel, ohne Gottes mächtige Werke verkündet zu haben, allein durch sein Schweigen sie ehrend.

Die gleiche Stimme, liebe, geschätzte Freunde, vernehme ich jetzt in meinem Herzen, aus dem Munde des Herrn. Und wahrlich, soweit es an mir liegt, hätte ich nie diesen Ort erreicht, an dem Sie in Liebe und Anteilnahme mir lauschen. Zumindest jetzt, in diesem allerletzten Augenblick, stünde es mir an zu schweigen.

Dennoch wage ich , in meiner Rede fortzufahren, einfach als Ausdruck – und nicht mehr – meines von Herzen kommenden ehrerbietigen Grußes, den ich Ihnen entboten hätte, wären wir bei Ihrer Ankunft im Hof meines Klosters einander begegnet. Oder indem ich mich dem Dienst³ im Gästehaus des Klosters gewidmet, Ihre Hände zum willkommen heißen ergriffen, Sie nach dem ermüdenden Aufstieg erfrischt, Ihre Gesichter mit Freude erfüllt und Ihnen, der Reihe nach, Becher mit frischem Wasser gereicht hätte gemäß dem Evangelium, Ihre Herzen mit Wein von des Königs Tisch frohlocken gemacht, wie es einem Sklaven und Diener geziemt. Bereit und willig vor Ihren Augen, zu Ihrer Verfügung, eingestellt auf Ihre Fragen, um des Gehorsams, um Christi willen. Und nun, da ich mich in Ihrer Mitte befinde, nicht hoch oben auf dem Fels des „meteorischen“ Simon Petra, sondern in der lieblichen, majestätischen und berühmten Stadt Wien, der vielgeliebten der Griechen, bin ich Gefangener, eingeladen sowohl als gesandt, durch die Liebe und Ehre, die mir vor einiger Zeit von Ihnen allen erwiesen wurde in der Person meines hochgeschätzten Freundes, des ehrwürdigsten Ältesten, Vater Mitrophan von Hilandario, Vertreter seines heiligen Klosters in der heiligen Gemeinschaft des Athos; in gewisser Weise ist er der geistige Vater, Ratgeber auch und „Inspirator“ Ihrer Gesellschaft der Freunde des Heiligen Berges.

Indem ich mich ein wenig unserer Begegnungen am Athos jetzt entsinne, und mir daneben wohl der Tatsache bewusst bin, dass trοtz aller Ihrer Weltweisheit und wissenschaftlichen Erkenntnisse und Ihres sozialen Status viele unter Ihnen die vortreffliche Gewohnheit haben, ihre Hände wie mit einer Waffe auszurüsten und den Rosenkranz zu beten, mit dem Kompouskini, der Gebetsschnur, nicht zuletzt dazu aufgefordert durch den ehrwürdigen Vater Mitrophan, habe ich als Thema, das wir in der zur Verfügung stehenden begrenzten Zeit behandeln wollen, gewählt

„DAS GEBET DES HEILIGEN BERGES ALS MITGIFT DERER, DIE DEN HERRN

SUCHEN“

Bevor wir aber weitergehen, ist es mir – verzeihen Sie – ein kindliches Bedürfnis, dem guten und freundlichen Obmann, den Mitgliedern der Gesellschaft und überhaupt allen Zuhörern zu wünschen, daß Ihre Freundschaft zum Heiligen Berg, wie immer auch sie geartet sein mag, Sie zu einer echten und tiefen Gottesliebe bringt. Ich bete darum, daß Sie zu sicheren Teilhabern an dem spirituellen Vermächtnis und am Testament des Athos gemacht werden können, und das gleiche erbitte ich auch – Sie erlauben es mir wohl – für mich selber.

                Abendstimmung auf dem Heiligen Berg  und Gebet   

Besonders am Abend liebt es der Heilige Berg zu beten. Er hat teil an der Qual und den Seufzern in der Erwartung der ganzen Schöpfung. Das wechselweise Anschlagen der Wellen an den Küsten, die völlige Stille und der Friede, die schlafenden Vögel der Lüfte mit ihren süßen Stimmen, die wilden Tiere des Waldes, die umherstreifen und ihre Nahrung von Gott zu bekommen suchen, die „senkrechten Gebete“ der Zypressen mit all dem übrigen aus ihrer so verschiedenartigen Gesellschaft, die steilen, nackten Felsen und die Höhlen tief in ihren Herzen, die murmelnden Quellen in den dichten, schattigen Wäldern und an den Abgründen, die Gipfel und die sanften Hänge – alle beten sie. Sie tun es zugleich mit dem erhabenen und unanfechtbaren ATHOS, der mit den Kuppeln der Klöster und Einsiedeleien und mit dem Kreuz Jesu Christi gekennzeichnet ist, welcher allein die anders unauflösliche Dunkelheit auflöst, so daß der herannahende neue Tag des Herrn anzubrechen vermag.

Die erhobenen alten Hände der Eremiten, die Knie der jungen Mönche und ihrer Gefährten, die wieder und wieder sich beugen⁵, die Priester, die am heiligen Hochaltare die heilige Hostie hoch emporheben, konzelebrierend mit anderen Priestern und Diakonen, welche beräuchern, und die Vorleser, welche lesen: „Durch die Gebete Deiner Heiligen, o Christ, unser Gott, erbarme Dich unser!“⁶; die nicht enden wollenden Gedächtnisübungen, die zarten Düfte, der Gesang, all das gibt kund: „Preiset den Herrn allezeit, jeden Tag und jede Stunde, für all die Dinge, die durch Ihn gegeben worden sind, für Seine große Gnade in allem“⁷; dies ist ein teil von der mystischen Kraft und Ausstrahlung des Heiligen Berges, der die Dunkelheit der Nacht abwirft und sich im goldenen Licht des Vollmondes offenbart. Wieder ist es, gleichsam, eine Note aus der harmonischen Melodie des gesamten Gebets, das für Christus den Bräutigam tönt seit dem Zeitpunkt, an dem die allerheiligste Mutter ihren Fuß auf den Athos setzte, hier wandelte und sich darob erfreute.

Geradeso wie der Berg Sinai ohne Glorie war, ehe ihn Moses erstieg und Gott Vater herniederkam, ebenso wie der Berg Tabor dunkel und unberührt war, ehe auf ihm unser Herr verklärt wurde, so war der Athos verwunschen, ehe die Jungfrau ihn erwählte, und ehe die Väter, die Heilige waren, ihn zum „Heiligen Berge“ machten. Ein Heilige unserer Zeit, von Patmos⁸, schreibt irgendwo, indem er in höchst charakteristischer Weise die Gesinnung seiner Väter zusammenfaßt, folgendes:
„Durch das Gebet heiligt man den Ort, an dem man lebt, und die Arbeit, die man verrichtet.“
Also ist der Heilige Berg um seiner Heiligen willen heilig, die dort gearbeitet und prophetischen Geist hervorgebracht haben, den Geist der Erlösung.

Zuerst bereitete Gott sich eine Wohnung in den Herzen Seiner Heiligen, und später sehnten sie sich, Ihn zu preisen, indem sie Ihm Tempel zu Seinem Ruhme errichteten. Zahlreich – in der Tat zu viele, um gezählt zu werden – sind die Heiligen des Athos. Doch nicht mehr erkennbar sind uns ihr Schweiß, ihr Blut, ihre Tränen und ihre Myrrhe, die das Gestein und das Erdreich durchtränkten, keinerlei Spuren lassen uns ihre Zahl noch erahnen. Nur Er, der in dieser Versammlung der Heiligen verherrlicht wird, kennt Seine ehrwürdigen Märtyrer und Zeugen.

Der heilige Berg Athos als Garten der Gottesmutter

Während des Sommers wächst hier und dort, unterhalb des Athosgipfels und um ihn herum, an gewissen steilen Stellen, eine kleine Blume, die nicht verwelkt – die „Panagiablume“; sie behält ihre Weiße und ihren starken Duft für ungezählte Jahre. Es war genau aus diesem Grunde, daß die Jungfrau, Herrin ihres Gartens, den Heiligen Berg vor all den anderen schönen und wunderbaren Plätzen der Erde wählte; um in ihrem Garten diese unverwelkliche Blume geistiger Jungfräulichkeit der Mönche zu pflegen. Sie selber beherscht ihn, sorgt für ihn und beschützt ihn. Sie bringt ihn zum Leben mit dem sanften Hauch ihrer Liebe. Sie bedeckt ihn mit ihrem Schleier⁹; sie erhebt ihn durch Ihre Fürsprache. Sie versieht ihn mit der Mitgift so vieler Ihrer wundertätigen Ikonen. Vor den Augen ihres Sohnes wiegt sie angesichts der täglichen Bedürfnisse des Lebens auf, was an Heiligkeit und Seelenkraft den Mönchen mangelt. Und Sie wurde und ist für den Berg die Äbtissin ( Higoumeni )¹⁰, die ehrwürdige Mutter ( Gerontissa )¹¹, die Verwalterin (Oikonomissa )¹², die Pförtnerin ( Portaitissa )¹³, jene, die Gnade erweist ( Eleousa ), die führt ( Hodigitria )¹⁴, die im Überfluss Öl spendet ( Elaiowrytissa)¹⁵,  die  Fürsprecherin (Diomeni ), als die, die ihren Kindern Sicherheit bedeutet, indem sie ihnen ein ewiges Bündnis verbürgt.

Sie ist sogar erschienen, Geschenke zu machen, angemessen der Plackerei und der Frömmigkeit ihrer engelgleichen Sänger¹⁶, denen sie Höfe kehrte¹⁷, Dienst an der Tafel verrichtete¹⁸, oder mit den Bedürftigen weinte, Hungernden Wegzehrung reichte¹⁹, um als die Wohltäterin derer erkannt zu werden, die Sie jetzt wiederentdecken und aus ihren Fußstapfen am Athos in ihr abermals die höchste Herrin erkennen. Sie ist es auch, die ihrem Haushalt gebietet und neue Lebenspfade bahnt. Durch Ihre Umarmung und Ihren jungfräulichen Kuß übermittelt Sie Gaben des stillen Gebets und der Meditation im Herzen²⁰, Gaben der Wundertätigkeit und göttlicher Weisheit.

So sichert Sie sich selbst Ihre Rechte, und genau aus dem Grund, aus dem Sie den Berg von Christus erbat, begehrt Sie ihn als Ihr eigen²¹.

Der Saum Ihres geistigen Gewandes bedeckt ihn, weiht und heiligt ihn um vieles mehr als dies der Rauch und die Flammen, der Blitzstrahl am Berge Sinai vermochten, als Gott auf diesen herabstieg. Und wenn es deshalb Mensch und gleichermaßen Tier am Sinai bei Drohung frühen Todes streng verboten war, sich nur zu nähern, um wieviel schwerer wiegt dann hier die ehrwürdige und unerschütterliche Satzung, die dem weiblichen Geschlecht den Eintritt wehrt – Gesetz der Trennung um Gottes willen, durch die Mutter Gottes selbst?

       Der heilige Berg als geistig geistlicher Markstein

Auf diesem Berge, geistig verzehrt vom Feuer und im Feuer brennend, möge jener stehen, der gleich Josua, dem Sohn des Nun²², es nicht vermag, einzutreten und Mose nachzufolgen, mit Furcht und Zittern befallen schon auf Entfernung hin, doch überaus frohlockend über alles, was er sieht und hört und was sich früh und abends auf dem Berg ereignet. Denn, wenn anders er sagte: „Und was hat dieser Berg Besonderes vor allen anderen? Wohnt Er nicht allerorten, der Allgegenwärtige, von dem jedwedes Ding erfüllt ist?“, dann liefe er leicht Gefahr, irre zu werden, genau wie Naaman der Syrer, der sich dafür entschied, Gott im Flusse Jordan zu verehren und geheilt zu werden²³. Und wiederum, wenn er sagte: „Was soll⁅s, vielleicht stehen nur die Mönche des Berges Athos Gott nahe?“, dann würde ihm vielleicht das gleiche Los zuteil wie dem berühmten Mariam, der sprach: „Hat der Herr denn bloß mit Moses geredet?“²⁴

Der Heilige Berg ist ein geistiger Markstein; ein Ideal, das jetzt und hier gelebt wird. Er ist ein Geschenk Gottes an Seine Braut, die Orthodoxe Kirche, und durch sie an das ganze Weltall. Ein Abt des Athos bemerkte treffend: „Niemandem ist es möglich, über die Welt zu sprechen, ohne an den Anfang ein ausführliches Kapitel zu setzen, das den Heiligen Berg erklärt. Und es ist unmöglich, den Heiligen Berg zu verstehen, wenn man die Welt nicht kennt.“²⁵ Er ist eine Opfergabe der Welt an Gott. Fleisch und Bein und Eingeweide von den Eingeweiden und dem Fleisch der Welt; denn wie die Biene die Waben mit Honig füllt, so füllt zu jeder Zeit die Welt die Klosterzellen und die Höhlen der Erde mit Mönchen.

Wenn wir soeben sagten, daß der Heilige Berg eine Gabe, ein Weiheopfer ist, ein Heiliges, so ist er folgerichtig auch etwas, das von Gott besonders angenommen wurde und Ihm selbst unmittelbar gehört. Es ist daher nicht möglich, daß er jemals Gegenstand unserer Neugier oder gar unserer geistigen Bedürfnisse sein könnte, geschweige denn ein Ziel unseres irdischen Bedarfs. Immer wird er der kostbaren Myrrhe vergleichbar bleiben, die verschwenderisch über die Füße Jesu geschüttet ward.²⁶ Und mag er ruhig unbegreiflich bleiben für Menschen, die anders zu denken gewohnt sind.

Die Frömmigkeit einer enfachen, heiliggestimmten Seele ging so weit, daß sie behauptete, Sünde sei es, sich dem Heiligen Berg auch nur zu nähern, ja selbst ihn aus der Ferne zu betrachten. Sie sammelte kleine Stückchen von Orangenschalen aus dem Garten der Panagia, die auf dem Wege lagen, und trocknete sie, um sie täglich, als ein Art Weihe, des Morgens mit dem gesegneten Brot und dem heiligen Wasser zu sich zu nehmen. Und wahrlich, solche Seelen „sind dem Heiligen Berge angenehm“²⁷, die in keiner Weise verwundbar sind durch die Attacken des Teufels.

Und was wird Tag für Tag in dieser dunklen Wolke denn gefeiert? Was sonst, als das endlose, ständige Händeausstrecken nach Gott – wie der Auszug der Israeliten ohne Einhalt, ohne Umkehr. Wie absolut, eindeutig, endgültig war doch der Aufbruch des heiligen Peter vom Athos aus Rom zum Heiligen Berg! Genau so müssen Gesinnung, Verzicht, Aufbruch und Hingabe jedes Mönchs an den heiligen Athos sein. Nur in solchen Eingeweiden, in den Tiefen solcher Herzen, die entschlossen bis zum Tode sind, ist es geistig möglich für Ihn, der von einer Jungfrau geboren wurde, Gott und Mensch, Jesus Christus, empfangen zu werden und in den Herzen Seiner Diener zu wohnen und einherzuschreiten mit dem Vater und dem Heiligen Geist. Und wenn wir jedem Heiligen folgen, angefangen mit Athanasios dem Athoniten, dessen Entsagung auf dem Heiligen Berg eine neue und zugleich sehr altertümliche Mode in der Folgegeschichte und Fortentwicklung des Mönchstums schuf, bis hin zu dem jüngsten zeitgenössischen Mönch oder Novizen – immer sehen wir dieses.

 Das Feuer Christi

Dieses Feuer, welches Christus in der Welt entzündete, eben diese Flamme, sie verzehrt – sogleich und allezeit – Herzen, deren heiliges Verlangen dazu führt, die Welt zu fliehen, ein für allemal, und bedingungslos den Spuren des fleischgewordenen Wortes zu folgen, hervorzubringen eine winzige Herde, dynamischen Sauerteig. Erhebung, Stütze, Hoffnung für die Welt, ja eigentlich Invasion, gewaltsame Beschlagnahme des Gottesreiches. Eine neue Schöpfung und einen neuen Zustand des Seins. Ein Reich Gottes auf Erden; ein Reich, das zu begreifen Pilatus nicht fähig war, als er unseren Herrn fragte:  „Du bist also doch ein König?“²⁸ Eine prophetische Versammlung von Nazoräern wird gebildet, deren Nahrung der Geist ist, der auf jene herabkommt und in die Herzen jener gegossen wird, die Ihn suchen.

Das tägliche Leben ist einfach, natürlich, lauter, asketisch. Es trägt betont die Züge von Adams Vertraulichkeit vor dem Sündenfall, es kennt weder Vorsicht noch Berechnung; ein Leben, das sogar die wilden Tiere zähmt – und selbst, wenn es sich trifft, das allerwildeste, den Menschen. Die Pfade, die Gärten, die Wege des Heiligen Bergs sind versperrt und aufgespart für den Herrn. Liebe ruht dort. „Weckt sie nicht auf“²⁹.

Das Gebet zu Gott kommt von Gott

Er, der das Gebet gibt dem, der betet³¹, ist auch derjenige, der denen, welche beten, die Gebete gibt und den Heiligen Geist, der in ihnen betet und Fürsprache einlegt für sie mit unaussprechlichen Seufzern und dem Ausruf „Abba, Vater!“³² Die Anbetung nach der Weise des Athos ist eine tägliche triumphale und siegreiche Offenbarung Christi. Sie ist ein Aufopfern jenes göttlichen Streitwagens, der aufblitzt mit leuchtenden Strahlen, der täglich die Heilige Dreieinigkeit herunterbringt auf den Heiligen Berg und wieder emporträgt. Anbetung, die wie ein Quell dem Herzen des Mönches entspringt. Sie wird gelebt in seiner Zelle, in der Einsamkeit, in seiner innersten Kammer, im geheimen, vor den Augen des alles sehenden himmlischen Vaters, und wird verherrlicht in dem Tempel „inmitten eines auserwählten Volkes“, „in großer Versammlung“³³.

Deshalb, so würden wir letztlich sagen, ist das Gebet des Berges Athos das Gebet des einzelnen Mönchs, eines jeden Mönchs; eines bekannten oder unbekannten, eines mehr oder weniger heiligen, des Tugendsamen oder des Sünders. Der Name Jesu ist das königliche Zeichen des Mönchs. Er ist das Siegel auf seinem Herzen. Er ist die Gnade und die Süße , die seinen Lippen entströmt. Ja mehr noch, er ist sein Lebenshauch, sein Odem. Wir wissen, daß jeder Atemzug ohne Ihn des natürlichen Zusammenhangs mit unserem Selbst entbehrt und beiträgt, unser Selbst zu zerstören, weil wir der inneren bindenden Kraft ermangeln.

Über das Gebet sprechen heißt über Christus sprechen

Nach all dem verstehen wir, daß wir, wenn wir über das Gebet, wie es auf dem Heiligen Berg praktiziert wird, sprechen, wir gleichsam über Christus auf dem Berge Athos sprechen. Geradeso, als redeten wir über den Gott Israels, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Und so bedeutetet Christus auf dem Berge Athos jenen Christus, den die Heiligen und die Mönche des Athos leben, in sich tragen, anbeten, früher schon lebten, und den sie besitzen. Weil ihre ganze Lebensart ja nichts anderes ist als ein einziges Entgegenstrecken, ein Aufopfern , ein Zuwenden ihres Geistes zu Ihm allein, durch Buße – Basis, Anfang und Tor zum athonitischen Leben.

Von dorther werden der ganze Berg, die Klöster, die Kirchen, die Zellen, vor allem aber das innige Herz des Mönches zu Orten und Wegen der Begegnung mit Christus. Auf diese Weise setzt Er Selbst sich als der Eine fest, der einherschreitet und Seine Herde hütet. Er kommt und geht. Solange Er will, behält Er die Schlüssel der Jungfräulichkeit dieses Ortes und dieser Lebensart. Somit vollzieht sich jeder Aufbruch eines Mönchs nach Seinem Willen und Wohlgefallen, aus dem einfachen Grund, die zu hütende Herde zu vergrößern; etwas, das in vergangenen Zeiten oft geschah, wie beispielsweise mit den Heiligen Gregorios Palamas, Kosmas von Aitolia und so vielen anderen, die – ohne je danach getrachtet zu haben – dazu ausersehen waren, Führer und „Äxte“, Persönlichkeitsbildner zu sein, Brückenfiguren, welche die Lebensart des Athos zusammenhalten und weitervermitteln in jeder Epoche, dem Ölbaum Christi manch Reis aufpfropfend, im Sinne Christi Staaten und Völker erziehend.

Ja, auch wenn sie völlig unbekannt bleiben vor den Augen der Welt, so mangelt es ihnen nicht an Glanz und Glorie vor Gott. Vielmehr, wie kostbare Perlen glänzen sie noch strahlender, um Gott zu preisen an dem Tag, an dem Er verherrlicht werden wird bei Seiner weltumfassenden Wiederkunft. An den Flügelaltären ihrer Herzen feiern sie unaufhörlich das Andenken all der Namen, deren sie sich aus der Zeit ihres weltlichen Lebens nicht entsinnen können, ohne zu wissen, wer ihrer Träger noch lebt oder inzwischen entschlafen ist. Und sie lassen in sich Menschenliebe wachsen durch ihre Tränen um Mitleid und Erbarmen vor dem Einzigen, der die Menschheit liebt. Sie sind die Freunde Gottes, den Elias der Tisbiter nicht wahrnahm, als er sich bei Jahwe beklagte, daß er allein als Prophet des Herrn übriggeblieben sei³⁴. Sie sind Könige, Lehrer, Rabbis, Älteste, Väter, dazu befähigt, Heiligkeit hervorzubringen und die zu segnen, welche Gott segnen, und in der Gestalt des Kreuzes die vier Viertel des Erdballs zu segnen³⁵. Sie halten sich versteckt wie Melchisedek in der Höhle des Tabor, möglicherweise nur gelegentlich dort von einem „Zufalls“- Adam gesehen und verehrt³⁶.

All diese Dinge, über die wir gesprochen haben, und die das Gebet des Heiligen Berges betreffen, sind wie die Brandung eines Stroms, der die Stadt Gottes erfreut und die Kirche belehrt. Und wirklich: jetzt sehe ich Ihre Augen und Ihre offenen Herzen, die fragen: „Was soll uns das? Was haben wir mit all dem zu tun? Worin liegt denn der Nutzen unseres Seins, wenn wir in die Verderbnis eines dem Himmel und Ihm, der darin wohnt, entfremdeten Lebenswandels versinken? In die Verderbnis unserer Sünden, unseres völligen Unvermögens, unserer unentrinnbaren Verlassenheit? Was von all dem kann in unser Leben dringen und aus bloßer Botschaft zur gelebten Praxis werden?“ Solche und viele ähnliche Fragen sind nur natürlich.

Von dem für uns seltsamen Klang solch paradoxer Dinge geschockt, wissen wir nur mit den Athenern zu sagen: „Wir wollen dich hierüber ein andermal hören“³⁷. Indes, wenn wir all diese Dinge nicht als originelle Erfindung abtun, sondern besser Gott an jedem Ort Seines Herrschaftsgebietes suchen, dann, geschätzte Freunde, liegen diese Dinge für uns durchaus im Bereich  der Möglichkeit.

Auf welche Weise wir Ihn suchen werden oder über Ihn sprechen, so werden wir Ihm begegnen, sofern nicht der Willkommengruß und die Umarmung sogar unsrer Ankunft zuvorkommen wie bei Elisabeth³⁸ und der Jungfrau Maria, die in ihren Händen als unsere Mitgift einige dieser wie wir sie beschrieben – „was kein Auge sah und was kein Ohr vernahm und was in eines Menschen Herz nicht drang“³⁹ – Früchte aus ihrem schönsten Garten der Welt, dem Berg Athos.

Genauso wie Paulus von Jesus zu Ananias gesandt wurde⁴⁰, wie Maria Magdalena den auferstandenen Heiland schaute und den Jüngern die gute Nachricht brachte⁴¹, so tun es auch wir. Wann immer wir auf unserer suchenden Wanderung in diesem Jammertal auf Seine Spuren stoßen oder von dem genzenlosen Leuchten Seines Lichts geblender werden, wird uns bewußt: wir sind nicht allein. Viele andere, Auserwählte, Jungfrauen mit Fackeln voran, umgeben uns auf der Reise unserer Seele zu Gott.

Und wie ein außergewöhnliches Geschenk, uns zur Hilfe gedacht, umgibt Er uns als schattige Wolke oder als vielfarbige Feuersäule, und erhellt die Wüste mit ihren vielen Geräuschen und Schreien, diese Wüste unseres atomaren Raumzeitalters, gleichermaßen erfüllt von Licht und von Dunkelheit. Das Gebet, wie es auf dem Heiligen Berg gepflegt wird, verwandelt unsere Hoffnung in eine Vision. Christus wird uns auf mystische Weise von den Fesseln des Rationalismus und unserem Hochmut befreien, genauso wie Er den vom Teufel besessenen Gerasener ⁴² von seinen Ketten befreite, oder den auferstandenen Lazarus von seinen Binden⁴³.

Mit geöffneten Augen werden wir bemerken, daß über unseren Häuptern mächtige Engelsheere des himmlischen Vaters für uns streiten und die Abwehrstellungen des Bösen stürzen. Und während wir wieder und wieder nach Gott Ausschau halten, werden wir standhaft werden, zum Herrn Vertrauen gewinnen, denn wir werden entdecken, daß Seine Freunde, Schüler und Diener für jeden von uns Anteil am Gastmahl und Sitz an der Hochzeitstafel des Sohnes Gottes des Königs bereiten.

Das Mönchstum des Heiligen Berges, Nachfahre des frühen Mönchtums, schart sich, gleich einer Bienenkönigin, die lebhaft summt, um den König, jeden Seiner Schritte begleitend, jeder Seiner Gesten gehorchend, um Ihn zu besitzen.

Man könnte nun fragen: „Wie spiegelt sich das Gesagte in unserem Alltagsleben wieder, welche Nutzanwendung hält es für uns bereit?“ Aber was soll das? Da, wo ein Glaube ist, ist auch ein Weg. Von selbst, ganz unwillkürlich, wirken alle diese Dinge in uns, umfassen unseren Geist, vereinen unsere Seele mit dem Lebensquell. Eine Gewöhnung an das Königreich, das kommen wird, ergreift von uns Besitz, doch unabhängig von den Normen wissenschaftlicher Erkenntnis. Es ist zu wenig, der Finsternis zu trotzen, in die wir hineingeboren wurden, nicht ängstlich zu sein und nicht das Licht zu scheuen, das herannaht und uns erleuchtet. Wir sollten die Gesinnung und die Fähigkeit besitzen, unsere Häupter zu erheben, weil die Erlösung nahe ist. Dieses Wagemutes wesentliche Imitation, nicht achtend der Gefahren und der Mönches“Akrobatik“ zwischen Paradies und Erde, ist Grundlage und Ausgangspunkt für einen Neubeginn.

Eine kritische Musterung unseres Lebens und dessen Aufopferung. Ein beherzter Schritt, ein heldenmütiger Sprung, ein entschlossenes Durch-messen jenes Eingangs, der uns von dem Ort und der Gemeinschaft derer trennt, die „im Himmel eingetragen“ sind⁵⁰, der „Gemeinde der Erstgeborenen“⁵¹ in Jerusalem. Dort essen und trinken sie Christus, genau wie Er selbst, vor Seinem Verrat, sich Seinen heiligen Jüngern und Aposteln gegeben hat⁵²; und sie teilen sich der Kirche ihrer Nachfolger mit und unseren einzig wahren Vätern, den Heiligen. Asketische Entsa-gung und endlose Hingabe unter dem Einfluß des Geistes; fortgesetzte Begegnung, Tag für Tag, ein Rendezvous mit Gott, sei es auf kurz oder lang, nächtens oder vor Morgengrauen, durch stille Anrufung Seines Namen, Anbetung Seiner Herrlichkeit, durch die Suche nach Ihm, durch Meditation über Ihn in der heiligen Schrift und den Heiligenleben, den Texten, die Gott an uns weitergeben. Ein Formen und Ausrichten unseres Lebens aus Sehnsucht nach tiefer Geistigkeit.

Er, der Seine Engel zu Seinen Dienern sendet – Philippus zum Kämmerer der Kandake⁵³, Paulus zu Thekla⁵⁴, Raphael zu Tobias⁵⁵, oder den Engel, der Nahrung und Wasser zu dem Propheten in die Wüste brachte⁵⁶ – um wieviel leichter wird Er Sie in Verbindung mit jenen bringen, die den Rang von Aposteln haben⁵⁷, mit Seinen Mönchen. Wenn jemand mit einem Mönch bekannt ist, dann wird er – gleich jenem, der mit dem heiligen Seraphim von Sarov verkehrte⁵⁸ – in dessen Gebetssphäre eintreten oder vielmehr in diese erhoben werden.

Selbst seine Knochen werden ihm süß und voll des Leben erscheinen. Im Licht sieht er Licht, zumal die Hand des Mönches, die ihn trägt, sehr stark ist, seit er mit dem Satan in der Wüste gerungen; er ist Gott treu geblieben wie Jakob bis zur Morgenröte⁵⁹. Er hat die Bitternis des Infernos getrunken und ist nicht verzweifelt; er hat das lebensspendende Wasser des Paradieses gekostet und ist nicht hochmütig geworden. Er geht frei ein und aus durch die Pforten des Lebens mit Ihm, der einhergeht inmitten der sieben goldenen Leuchter⁶⁰, als Sein vertrauter Freund.

Wer einen solchen Mönch für sich findeτ, entdeckt in ihm den Prototyp des Mannes, sein heißbegehrtes Spiegelbild. Mit dem Schüler Pachomius des Großen, des heiligen Wüstenbewohners, wird er dann rufen: „Kommt laßt uns ihm folgen und mit ihm sterben, denn er führt uns den rechten Weg zu Gott.“⁶¹ Hoffnungsvoll verläßt er sich ganz auf jenen, der sich vorher selbst hinabgestürzt hat in den Abgrund der göttlichen Liebe. Dies ist die Liebe, die den Starken zum Schwachen führt, ihm eine helfende Hand zu reichen; und dieses geschieht mittels göttlicher Logik, die denjenigen, der in Not ist, zu ehren versteht und jenen begünstigt, der von den Wellen auf und ab und hin und her geworfen wird. All die Feste und Freuden, die mächtigen Errungenschaften und das Mißgeschick, das der gesamten Menschheit im  Verlauf so vieler Jahrhunderte widerfahren ist, verblassen und verlöschen dann, weil Christus naht – der Spender von Fröhlichkeit und Leben, der Herr der Könige auf Erden. Das schmachtendste und meistgeprüfte Herz hüpft da vor Freude.

Der Tröster und Retter

Wenn Zeitumstände, Unwissenheit, Schizophrenie – als „ein Gesetz von anderer Art in unseren Gliedern“⁶² – oder unser Vernunftsdenken, Lebensverhältnisse, drückende Armut, uns jegliche Hoffnung, ja selbst die geringste Veränderung in uns verwehren? Nun denn, dann ist es wiederum Er, der Seine Besuche in unserem Hades nicht aufgibt, der bis zur tiefsten Tiefe unseres Brunnens, bis in den verstockten, verwunschenen Turm unserer Seele vordringt, wo die Türen geschlossen sind. Indem wir Ihn suchen, ist jedem von uns, allerorten, die Begegnung mit Ihm möglich. Immer ist Er unser verborgener Nachbar.

Er ist in uns, und Er begegnet uns in unserem Nächsten – dem Bruder, dem Freund, dem Kind, dem Gatten, der Ehefrau, selbst in unserem Feind. Da ist Er, neben uns, zu unserer Rechten und Linken; Er, der für uns gekreuzigt ward, ist unschuldig, auch neben unserer höchstpersön-lichen Kreuzigung hier. Allein, sobald wir Ihn erkennen, wissen, wer Er ist, wird nichts uns hindern dürfen, Ihm zu folgen.

Und an dieser Stelle lassen Sie uns etwas noch viel Gewagteres sagen: Wie, wenn sogar auf dem Heiligen Berge all diese Dinge nicht existierten? Wenn die Laternen und die Leuchtfeuer in der Dunkelheit verschwänden?  Wenn die Pfeiler gestürzt wären und man, sobald man dorthin käme, nicht ein bißchen Leben fände, sondern einen Fußtritt spürte wie vom Hufe eines Esels? Wenn wir so dächten, wäre es Zeit zu versuchen, den tieferen Sinn des Verhaltens besser zu verstehen, das unser Herr gegenüber der Kanaaniterin⁶³ oder der heilige Antonius der Große gegenüber Paul dem Einfältigen gezeigt hat. Lassen Sie uns nicht voreilig urteilen und oberflächlich Schlüsse ziehen, weder aus eigenen – zwangsläufig subjektiven – Eindrücken, nicht aus Vorfällen, die uns vereinzelt oder wiederholt – dies ist bedeutungslos – begegnen mögen und geeignet sind, uns zu enttäuschen.

Einstmals starb im Kloster der Großen Lawra auf dem Heiligen Berg ein gewöhnlicher, an das Gehorsamsgelübde gebundener Mönch. Der Abt war gerade weit entfernt auf der anderen Seite des Heiligen Berges, und es gelang ihm nicht, zu kommen. Kurze Zeit, bevor man sich anschickte, diesen Bruder, dessen Überreste schon den süßen Totenduft ausströmten, zu beerdigen, streckte der Tote gerade in dem Moment seine Hand von der Bahre aus, als man die letzten Totengebete las. Und alle, die krank waren und diese Hand küßten, wurden gesund. Dies wurde sogleich bekannt, und durch mehrere Tage hindurch kamen nun die Menschen, um geheilt zu werden. Als der Abt davon erfuhr, wurde er böse, kam in großer Eile zurück zum Kloster, und indem er mit seinem Stab die tote Hand anstieß, sprach er zu seinem Mönch: „Du warst immer schon ein Einfaltspinsel, Mönch, schon zu Lebzeiten, und nun, da du tot bist, bist du noch immer einer. Da durch das, was du tust, sich alle Kranken und Leidenden der ganzen Welt auf dem Berg versammeln werden, wird der Berg in eine Zufluchtsstätte der Menschheit verwandelt werden. Schnell, steck deine Hand zurück!“⁶⁴ Und er, der sogar noch über den Tod hinaus gehorsam war, zog seine Hand zurück und wurde an der Seite der Väter, die vor ihm verstorben waren, auf dem Friedhof  begraben.

Wir sind am Ende angelangt. Wenn sie wollen, behalten sie diese Schlußworte zur Erinnerung im Gedächtnis:

Die mönchische Art ist die Schatztruhe der Kirche, die das „Depositum“ der Apostel behütet. Sie ist Mähne und Stolz des Löwen von Juda. Das Leben, das sich in ihren Falten verbirgt, ist das Leben Christi. Die mönchische Kutte, der Rason, ist daher, so würden wir sagen, die Kleidung, die Gott offenbart. Er ist verfertigt aus göttlicher Menschlichkeit. Es ist der Mantel Christi, nahtlos von oben bis unten, gewoben von den allerreinsten Fingern der Jungfrau für Ihren Sohn. Lassen Sie uns nunmehr unsere letzte Frage – die wir schon vorher gestellt haben – durch das folgende reale Faktum in Gestalt einer Antwort ergänzen. Um den Mantel Christi wurde einst von den Soldaten gewürfelt; er bedeckte Pilatus, ehe der erste Apostel der Auferstehung ihn von ihm nahm. Es schien, als sei er zerrissen worden⁶⁵ von allem Anfang an, von Leuten wie Arius und seines-gleichen. Trotzdem blieb er so wunderbar, tabo-ritisch und „unerschaffen“! Grundelemente des Heiligen Berges sind seine höchst erstaunliche Schönheit und seine Natur, derer die heilige Jungfrau sich so ausschließlich bediente. Und was immer nun der heilige Berg verbirgt und was immer er in sich selber enthält, gehört so sehr Gott, wie es auch unbestreitbar seinen Bewohnern gehört.

Und was sonst noch bleibt für die Freunde des Heiligen Berges? Dort ruht das, was so deutlich durch den griechischen Sinnspruch ausgedrückt wird: „Dinge von Freunden sind Gemeingut“. Wer also unter Ihnen kann sich beklagen? Aber da ist noch etwas. Das Kriterium und der Beweis einer Freundschaft ist die Bereischaft, für den Freund zu sterben⁶⁶. Und der heilige Berg lebt und trägt das Hinsterben Jesu⁶⁷. Deshalb trifft auf ihn beides zu. Er wird geliebt und ist dieser Liebe wert von Generation zu Generation. Doch welcher Freund vermag die Freundschaft zu teilen und sich ihrer zu erfreuen, wenn er sich nicht schon vorher entschieden hat und nicht tatsächlich den Tod Tag für Tag von neuem stellvertretend lebt?

Dies ist das Geheimnis und Mysterium des Lebens Jesu.


Anmerkungen und Hinweise zum Festvortrag

1     Origenes; die Begebenheit ist in seiner Lebensgeschichte erwähnt
2     Ps 50(49),16
3     2 Tim 4,5
4     Mt 10,42
5     Beim Bittgebet des Diakons während der Vesper am Pfingssonntag
6     Phrase, mit der die Lesung des Synaxarions abgeschlossen wird, vor der 7-Ode
7     Alte Liturgie
8     Archimandrit Amphilochios Makris, Ältester von Patmos, 1888-1970
9     Leben des hl. Andreas, des Narren in Christo. Heiligenleben, 29.Mai
10   Wundertätige Muttergottesikone des Klosters Hilandar
11    Wundertätige Muttergottesikone des Klosters Pantokrator
12    Wundertätige Muttergottesikone des Klosters der Großen Lawra
13    Wundertätige Muttergottesikone des Klosters Iviron
14    Wundertätige Muttergottesikone des Klosters Xenophontos
15   Wundertätige Muttergottesikone des Klosters Vatopedi
16   Leben des hl. Johannes Koukuselis. Heiligenleben, 1.Oktober
17    Wunder, von dem berichtet wird, daß es sich während der Befreiung
dem Berg Athos von der Türkenherrschaft, 1912, im Kloster Iviron zugetragen hat
18    Leben des hl. Kosmas von Zographou. Heiligenleben, 22. September
19    „Wunder der Panagia“, nach altem Brau in der Trapesa der Athosklöster während
der Fastenzeit vor dem 15. August gelesen
20    Leben des hl. Maximos Kavsokalyvitis. Heiligenleben 13. Januar.
„Neon Eklogion“ des hl. Nikodemus des Hagioriten
21    Hl.  Gregor Palama: Leben des hl. Peter des Athoniten. Heiligenleben,12. Juni
22    Ex 33,11
23    2 Kön 5,10-14
24    Num 12,2
25    Archimandrit Aemilianos, Abt von Simon Petra: Vorlesung in Athen, 1981
26    Joh 12,3
27    Anavasmi, Stimmung 2, 3. Antiphon
28    Joh 18,37
29    Hld 2,7   3,5   8,4
30    Ps 8,2
31    (Hinweis nicht verifizierbar)
32    Röm 8,15
33    Ps 35(34), 18  40(39),10
34    1 Kön 18,22
35    Troparien des Frühgottesdienstes zum Fest der Kreuzerhöhung, 14. September
36    Gen 14,18
37    Apg 17,32
38    Lk 1,40
39    1 Kor 2,9
40    Apg 9,12
41    Joh 20,18
42    Lk    8,27
43    Joh 11,44
44    Hinweis nicht verifizierbar
45    1 Makk 5,20
46    Ri 7,6
47    Offb 14,4
48    Philotheos, Patriarch von Konstantinopel: Leben des hl. Gregor Palama,
Erzbischof von Thessaloniki
49    Dionysios, Metropolit von Trikkis: Das orthodoxe Mönchstum des Ostens
50    Hebr 12,23
51    Hebr 12,23
52    Göttliche Liturgie des hl. Basilius des Großen
53    Apg 8,26-40
54    Leben der hl. Thekla. Heiligenleben, 24. September
55    Tob 3,16-17
56    1 Kön 19,5-7
57    Offizium des Großen Schemas. Großes Evchologion
58    N.Motovilov: Gespräche mit dem hl. Seraphim von Sarov
59    Gen 32,24-31
60    Offb 2,1
61    Leben des hl. Pachomius des Großen, Heiligenleben, 15. Mai
62    Röm 7,23
63    Mt 15,22
64    Leben des hl. Athanasios des Athoniten. Heiligenleben, 5. Juli
65    Gesicht des hl. Peter von Alexandrien. Heiligenleben, 24. November
66    Joh 15,13
67    2 Kor 4,10

Biographie des Archimandriten Dionysios, dem Gerondas und spirituellen Vater und Lehrmeister der Nonnen des Klosters Ag. Georgiou.
(nach Craig Hamilton)

Archimandrit Dionysios kam am 14. September 1950 in der Stadt Trikkala in Thessalien zur Welt und wuchs dort auf.  Er stammte aus einer religiösen Familie; seine Vorfahren waren Priester, und so verließ er im Alter von siebzehn Jahren sein Elterhaus, um dem Ruf Gottes und seiner Liebe für das geistige Leben im Großen Kloster von Meteora zu folgen. Dort begegnete er seinem spirituellen Vater, dem in Griechenland hoch angesehenen Archimandriten Aemilianos, ließ sich die Tonsur schneiden und schlug den Weg der Askese ein.

Als etliche Jahre später die griechische Tourismusindustrie fast den gesamten Bereich der alten Klosteranlagen von Meteora für sich vereinnahmte, siedelte Archimandrit Aemilianos 1973 mit seiner Schar junger Mönche, darunter auch Vater Dionysios, in das berühmte und traditionsreiche Kloster Simonos Petras auf dem Berg Athos um.

Der Priestermönch Dionysios, er hatte sein theologisches Studium an der Universität Athen 1972 abgeschlossen, war von Anfang an eine leuchtende Gestalt und für seine Hingabe an seinen spirituellen Vater Aemilianos ebenso bekannt wie für seine Selbstlosigkeit und Liebe, die er mit all den Menschen teilte, die das hoch über dem Meer gelegene Kloster Simonos Petras besuchten. Der Geist dieser Großzügigkeit wie der Hingabe an das Klosterleben führte bald dazu, dass er nach Europa und Amerika eingeladen wurde und den „Berg der Stille”, wie er seine neue Heimat nannte, 1992 wieder verließ, um anderen Menschen auf ihrem Weg als geistlicher Vater Führung und Unterstützung zu geben.

So diente er als Abt im Heiligkreuzkloster in Jerusalem, leitete Klöster in Mexiko City und Nordgriechenland und besuchte häufig Weise und Heilige klösterlicher Gemeinschaften in Russland, im Nahen Osten und in Amerika.

Heute ist Archimandrit Dionysios,  nach Griechenland zurückgekehrt, Abt des Klosters Petras in den Bergen hoch über der Stadt Karditsa.

Er ist geistlicher Vater für viele Menschen in der Welt. Auch für die Nonnen des Klosters des Agios Georgiou  Karaiskakis, denen er ebenso spiritueller Ratgeber, Lehrmeister wie Beichtvater ist. Vater Dionysios ist nicht nur ihnen ein weithin leuchtender geistlicher Mittelpunkt.

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